Der Schenkenturm

In unmittelbarer Nähe unseres Verkehrsflugplatzes steht der Schenkenturm, eine Burgruine aus dem Mittelalter. Der im Jahre 1993 gegründete Verein ‘Die Ritter vom Schenken e.V.’ haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesen in seiner Bausubstanz zu erhalten und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Die folgenden Informationen stammen aus dem Buch ‘Der Schenkenturm, die Wiederentdeckung einer mittelalterlichen Burg’ (siehe auch Quellenhinweise unten auf dieser Seite).

Das Schenkenschloß - eine stattliche Veste

Die Burg wird 1276 zum erstenmal in Verbindung mit dem Namen Eckehart Schenk von Rossenberg genannt. Wahrscheinlich ist sie aber älter. Vor allem der Turm, oftmals die Keimzelle einer Burg, kann mit seinem Ursprung eventuell in frühere Zeit gelegt werden. Erste baugeschichtliche Untersuchungen sprechen allerdings eher dafür, daß das Schloß sehr zügig als Einheit hochgezogen wurde. Die Bezeichnung Schenkenschloß tritt erst Anfang des 17. Jahrhunderts allgemein auf. In den Urkunden wird bis dahin von der ‘Veste Roßberg’ oder vom ‘castrum Rosenberg’ gesprochen.

Die Burg war ein Quadratbau. Sie maß 40 m im Geviert, der ausgemauerte Burggraben war 3 m breit und etwa 5 m tief. Von Nordwesten her betrat man die Burg über eine Zugbrücke. Die Mauerpfeiler, auf dem die Brücke aufschlug, waren 1909 noch deutlich auszumachen und sind heute noch in Resten vorhanden. In den Ecken finden sich noch 1850 erkennbare Spuren eines viereckigen, ehemals gewölbten Türmchens, ‘und die an den übrigen Ecken der Burg gerundete Form der Ruinen führt auf die Vermuthung, daß vier hervorstehende Eckthürme die Umfassungs-Mauer der Burg geziert und beschirmt haben mögen. Fügt man noch den Zwinger hinzu, wovon Spuren noch zu Tag gehen, und welche 11 Fuß breit gewesen, und die Burg wie ein fester Gürtel umgab, so hat man das Bild einer ehemaligen stattlichen Veste. Mächtige Kellergewölbe lassen sich auf drei Seiten der Burganlage heute noch nachweisen. Eines von ihnen mißt etwa 28 x 6 x 4 m.’ So schreibt Keßler im Jahre 1850. Bei den ersten Sanierungsarbeiten 1996 wurde es wiederentdeckt: noch voll intakt, seiner weiteren Bestimmung harrend.

Im 18. Jahrhundert standen nach Augenzeugenberichten noch bedeutende Reste der Burg. Allen Widrigkeiten des Wetters und der ‘Bauindustrie’ der umliegenden Dörfer widerstand schließlich nur der Burgfried des Schlosses, landläufig seit dem letzten Jahrhundert Schenkenturm genannt.

In knapp 9 m Höhe lokalisierte Keßler auf der Nordwest- und Südostseite zwei Bogenöffnungen mit vorstehenden Tragsteinen. Offensichtlich konnte man den Turm nur durch diese hoch gelegenen Einstiegsöffnungen betreten. In Gefahrenzeiten war der Burgfried die letzte Zufluchtsmöglichkeit des Burgherrn und besonders leicht zu verteidigen. Es muß vom Zugbrückenturm zum Burgfried eine Brücke gegeben haben, die notfalls gekappt werden konnte. Eine Holz- oder Seilbrücke hätte hierbei die besten Dienste geleistet. Die Südost-Pforte könnte über eine Brücke die Verbindung zum Herrenhaus hergestellt haben. So würde sich der zweite Zugang sinnvoll erklären.

Betrat man den Turm auf der Eingangsebene, so schloß sich nach unten ein Gewölbe an. Dieses, von Keßler ‘unterer Raum’ genannte Gewölbe, war der unterste Teil des Turmes und ebenerdig. Über 7 m hoch war dieser Raum, wahrscheinlich wurde dieser als Vorratskammer und Lager genutzt. Vielleicht wird man sich auch eine Zwischendecke denken müssen, denn ein so hoher Raum wäre sehr unpraktisch gewesen.

Nach oben schließen sich über der Eingangsebene mit einer Geschoßhöhe zwischen 3,20 m und 3,70 m fünf weitere Raumebenen an. Tragsteine, Simse oder rechteckige Maueraussparungen für die Balkendecken sind noch überall gut erkennbar.

Eine Ungereimtheit für den heutigen Besucher ergibt sich im vorletzten Geschoß, das in alter Zeit nach außen den hölzernen Wehrgang trug. Denn neben den zwei Türen finden sich auch zwei Schießscharten. Sollte der hölzerne Wehrgang von Anfang an geplant gewesen sein, machen die Schießscharten keinen Sinn, denn sie gehen ja nur auf den Wehrgang hinaus. Sie sind daher eher als Lichtöffnungen für das Türmerzimmer zu sehen. Hier oben war die Wohnung des Türmers, und nicht etwa auf der obersten Ebene. Nur das Türmerzimmer war ständig bewohnt und etwas gemütlicher eingerichtet.

Das ursprüngliche letzte Innengeschoß stellt sich heute als zinnenbegrenzte Freifläche dar. Was wir als Zinnen wahrnehmen, waren damals jedoch zwei Fenster an jeder Turmseite. Den Abschluß bildete ein Zeltdach. Wehrgang und Dach gaben dem Turm ein völlig anderes Aussehen, als wir es heute gewohnt sind.

Die Renovierung 1879

1879 findet sich in Würzburg ein Kreis wohlhabender und dem Schenkenturm wohlgesonnener Bürger. Sie gründen gar einen Verein und ein ‘provisorisches Comité zur Restaurierung des Schenkenthurmes’. Ein Schreiben wendet sich an gutsituierte Würzburger Familien und Honoratioren.

Der Bergfried war durch ein ausgebrochenes Mauerloch auf der Südwestseite zu betreten. Im Verlauf der Arbeiten wurde hier die neugotische Pforte mit Sandsteingewände eingesetzt. Eine Sandsteinwendeltreppe, die damals eingezogen wurde, trägt noch heute den Besucher auf die Höhe des Schenkenturms.

Die Sanierung 1959

In einem Artikel der Main-Post vom 10.12.1959 warnt diese: Baufällig sei der Turm seit Jahren, eine Gefahr für spielende Kinder und Spaziergänger. Schon wollte man das Gelände absperren, da kam endlich das vom Landbauamt beantragte und langersehnte Geld aus München zur Sanierung.

Als oberer Abschluß des Turmes wurde eine Betondecke gegossen, die Steine ausgewechselt oder befestigt und dann ‘verbandelt’. 10.000 DM wurden in die Sanierung des Schenkenturmes gesteckt. Der Renovierung von 1959 sind wohl auch die Aufmauerung der ursprünglichen Fenster zum ‘Zinnenkranz’ und die Abdeckung der Schrägflächen mit Sandsteinplatten zuzuschreiben.

Fotos vom ‘Ritterschlag’

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Oktober findet auf dem Gelände vor dem Schenkenturm die Tradition des ‘Ritterschlages’ statt. Hierbei wird ein neuer ‘Ritter’ in die Gemeinschaft der Ritter vom Schenken aufgenommen. Mittelalterliche Kostüme und Gebräuche, Fanfarenzüge und Turmbläser prägen dabei das Bild am Schenkenturm.



Quellenhinweise:

Berthold Krieger, John Burneckas
Der Schenkenturm, die Wiederentdeckung einer mittelalterlichen Burg
Würzburg 1997

Johann Baptist Keßler
Das Schenkenschloß zwischen Oberdürrbach und Veitshöchheim - Besonders abgedruckt aus dem Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg
Würzburg 1850




Wir danken den ‘Rittern vom Schenken’ für die freundliche Unterstützung zu dieser Seite sowie für deren Genehmigung, Auszüge aus dem Buch (siehe Quellenhinweis) und Zeichnungen veröffentlichen zu dürfen.


 

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