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Kein Flieger stört das TirilierenVogelbeobachtungen am Flugplatz Schenkenturm Artikel aus der ‘Würzburger Flieger-Post’, erschienen im Jahr 1995. Ein Flugplatz wird im allgemeinen kaum als besonders umweltfreundlich angesehen. Störungen für die Umwelt, die von einer solchen Anlage ausgehen, werden vor allem der Lärmentwicklung zugeschrieben, auf die speziell Säugetiere und Vögel empfindlich reagieren. Darüber hinaus soll auch die Silhouette von Flugzeugen die Vögel stark beunruhigen oder gar vertreiben. Das Würzburger Schenkenturmgelände ist ein Verkehrslandeplatz, wo Privatflugzeuge und an Wochenenden und Feiertagen auch Segelflugzeuge starten und landen. Im folgenden werden Vogelbeobachtungen aus den letzten Jahren angegeben und schließlich die Frage gestellt ob im Schenkenturmgelände Vogelarten fehlen, die in vergleichbaren stadtnahen Biotopen auftreten. Der Autor Dr. Hilmar Beck ist dafür insofern kompetent, als er seit über 20 Jahren Vogelstimmenführungen im Würzburger Stadtrandbereich durchführt. Auch Mitteilungen anderer Ornithologen werden berücksichtigt. Der Mäusebussard wird regelmäßig über dem Gesamtgelände beobachtet, im Frühjahr auch paarweise. Lampenmasten werden häufig als Sitzwarten verwendet. Die regelmäßig gemähte Grasfläche ist für die Greifvögel sicher günstig: Mäuse als Beute sind in dem kurzen Gras leichter auszumachen. Auch kleinere Vögel, etwa Singvögel profitieren von dem kurzgehaltenen Rasen: Käfer, Heuschrecken, Raupen und Würmer sind leichter aufzuspüren. Am 26. April 1992 wurde ein Habicht beobachtet, der aus dem ‘Schenkentanne-Wald’ kam und in typischer Flugweise - sehr schneller Flug im Wechsel von raschen Flügelschlägen und Gleitflug dicht über dem Boden - in Richtung Königswäldchen flog. Turmfalken brüteten bis 1990 alljährlich im Turm des Schenkenschlosses, der für die Allgemeinheit nicht zugänglich ist. Seitdem haben sich zahlreiche verwilderte Haustauben in mehreren Stockwerken des Turms eingenistet. Nach wie vor ist aber das Flugplatzgelände Revier dieser Falken, die man regelmäßig ‘rüttelnd’ über dem Areal beobachten kann. Eine Heidelerche wurde am 27. März 1982 nördlich des Platzes gehört. Aus dem Würzburger Stradtrandbereich verschwand sie als Brutvogel um diese Zeit. Feldlerchen fliegen vor allem im Frühjahr über dem Platz und lassen sich durch startende und landende Flugzeuge anscheinend nicht stören. Auch Rauchschwalben machen immer wieder über dem Flugplatz Jagd auf fliegende Insekten. Bachstelzen sind auffallend häufig auf den Grasflächen des Flugplatzes zu sehen. Baumpieper wurden wiederholt im südlichen Randstreifen und im Schenkenturmwäldchen gehört und gesehen. Alle heimischen Grasmücken sind vertreten, also Mönchs-, Garten-, Dorn- und Klappergrasmücke; alle im südlichen Randstreifen, die Klappergrasmücke zusätzlich auch im Schenkenturmwäldchen. Im südlichen Randstreifen sind Fitis und Zilpzalp anzutreffen. Hausrotschwänze brüten alljährlich in der großen Halle, auf Vorsprüngen und Verstrebungen der Dachkonstruktion; der Spuren wegen, die sie hinterlassen, von den Flugzeugbesitzern nicht immer gern gesehen. Im südlichen Randstreifen hat sich (1993) auch der spärlich gewordene Gartenrotschwanz als Brutvogel niedergelassen. Seit vielen Jahren hat die Nachtigall, ‘Vogel des Jahres 1995’, im Schenkenturmwäldchen ihr Revier, 1992 und 1993 auch im südlichen Randstreifen. Dort war sie auch am 23. April 1995 und danach zu hören. Wiederholt wurden im Turmwäldchen auch Ringeltauben gesehen, vermutlich brüten sie auch hier. Am 25. April 1994 ließ sich am Weinbergsrand nahe dem südlichen Randstreifen ein Wendehals hören, wahrscheinlich ein Durchzügler. Rotkehlchen wurden im Schenkenturmwäldchen wiederholt gehört und gesehen, dürften dort also als Brutvögel angenommen werden. Beachtenswert sind die Beobachtungen von Steinschmätzern im Flugplatzgelände z.B. am 7. Juni 1990 auf dem Holzgeländer direkt am Start 29 und im April 1992 auf der Wiese dicht südlich davon. Diese Art ist auf der roten Liste als stark bedroht (Kategorie 2) eingestuft und tritt auch in Unterfranken nur selten auf. Nach Uhlich (1991) wurde diese Art im Landkreis Würzburg nur noch nahe dem Heuchelhof beobachtet. Es wird vermutet, daß diese Art nördlich des Flugplatzes innerhalb des Bundeswehrübungsgeländes brütet. Immer wieder kann man Wacholderdrosselschwärme beobachten, z.B. am 1. Mai 1990 im Schenkenturmwäldchen; sie nisten aber vermutlich nicht hier. Auch eine Singdrossel ließ sich am 11. April 1987 im Wäldchen hören. Da die Singdrossel aber größere Parks oder Wälder als Brutreviere bevorzugt, hält sie sich wohl nur als Gast in diesem Gebiet auf. Mehrfach brütet erwartungsgemäß jedoch die Amsel im Flugplatzbereich. Das gilt auch für Kohlmeisen und Blaumeisen. Für Goldammern bietet das Gesamtareal günstige Voraussetzungen; vor allem am Start 11 und in der westlichen Verlängerung kann man sie beobachten. Buchfink, Stieglitz und Hänfling wurden im Schenkenturmwäldchen gehört und sind dort als Brutvögel anzunehmen. Erlenzeisige wurden im Winterhalbjahr 1994/95 im Bereich des Startpunkts 11 gesehen, wo sie bis in den April anzutreffen waren. Brutvogel im Turmwäldchen ist auch der Star. Die typischen Jungvogelrufe kann man im Frühsommer immer wieder hören. Seit Jahren treibt ein Schäfer seine Herde über die Grasflächen des Flugplatzgeländes. Im Spätsommer 1994 konnten dabei Stare beobachtet werden, die auf dem Rücken der Schafe saßen. jedoch nicht in der Absicht, Ungeziefer aus dem Schaffell zu picken, wie es die Madenhacker tropischer Säugetiere tun, sondern um auf Heuschrecken zu warten, die von den weidenden Tieren aufgescheucht wurden. Für Spechte gibt es zwar keine Brutnachweise im Gelände, jedoch wurde der Grünspecht wiederholt gehört und gesehen. Im Herbst 1990 sammelten sich Starenschwärme ausgerechnet am Flugplatzgelände mit mehreren tausend Individuen, die bei Auffliegen von startenden Piloten sorgfältig beobachtet werden mußten. Der Pirol kommt aus Biotopgründen als Brutvogel zwar nicht in Frage. Am 17. Juni 1987 wurde ein Pirol über der Wiese zwischen Start 29 und dem Königswäldchen in niedriger Höhe ‘rüttelnd’ beobachtet; anschließend stieß er zu Boden, packte eine Beute, vermutlich eine Heuschrecke, und flog davon. Rabenkrähen erscheinen in unserem Gelände gelegentlich zur Futtersuche. Ende Juli 1991 wurde nahe dem Startpunkt 11 der sehr seltene Schwarzstorch gesehen. Dort hatten Jugendliche des Flugsportclubs Feuchtbiotope angelegt, in denen Molche und vor allem die als stark gefährdet eingestuften Gelbbauchunken laichten. Offenbar wurde der Vogel durch die Amphibien angelockt. Es handelt sich vermutlich um das gleiche Exemplar, das Würzburger Ornithologen am 12. August bei Ochsenfurt sichteten. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß hier praktisch keine Vogelart fehlt, die in diesem Biotop in Stadtrandnähe zu erwarten wäre. Man müßte einmal die Lärmentwicklung einer Bundesstraße mit dem Flugplatzgelände vergleichen. Ein Großteil der Flugzeuge, zumal der am Schenkenturm stationierten, ist mit Lärmschutzmaßnahmen wie Auspuffdämpfern und lärmarmen Propellern ausgerüstet; solche Flugzeuge zahlen auch weniger Landegebühren, was einen Anreiz zur Lärmberuhigung schafft. Schließlich sind auch die Zeiten des Flugbetriebs eingeschränkt. Zwischen 13 und 15 Uhr gilt für hier stationierte Flugzeuge Flugverbot. Abends ist spätestens 18:30 Uhr Flugbetriebsende. Geht im Herbst und Winter die Sonne früher unter, müssen die Flugzeuge ab Sonnenuntergangszeit am Boden bleiben. Man vergleiche mit den Verhältnissen auf Bundesstraßen oder Autobahnen, wo bestenfalls eine nächtliche Temporeduzierung erfolgt. Dem Würzburger Flugplatzgelände kann also kaum eine größere Umweltstörwirkung angelastet werden, sicherlich keine größere als sie von anderen Sportanlagen, etwa Fußballplätzen ausgeht. ![]() Nahe dem westlichen Ende der Landebahn am Schenkenturm liegt dieser kleine Tümpel, einer von mehreren, die Jugendliche des Flugsportclubs angelegt haben um einen Lebensraum für Amphibien und Wasserinsekten zu schaffen. Auch in diesem Frühjahr verraten typische ‘Unkenrufe’ - wenn man sich vorsichtig nähert - daß sich die auf der roten Liste als ‘stark gefährdet’ eingestuften Gelbbauchunken hier zum Laichen eingefunden haben. ![]() Vertrieb die Vögel nicht: die Morane MS 893 ‘Würzburg’ mit Gomolzig-Schalldämpfer-Anlage und lärmarmen Vierblatt-Propeller. ![]() |
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